Mit dem neuen High-Power-Ladesystem SICHARGE FLEX bricht Siemens mit starren Infrastrukturen und trennt die zentrale Leistungselektronik von den eigentlichen Ladepunkten. Im Interview erklärt Marcel Rümenapf, Head of Sales Europe bei Siemens eMobility, wie Logistiker und Depotbetreiber durch diesen dezentralen Ansatz Platz sparen, teure Lastspitzen vermeiden und ihre Ladeinfrastruktur exakt entlang des Flottenwachstums skalieren.
SICHARGE FLEX ist ein dezentrales High-Power-Ladesystem, das die zentrale Leistungseinheiten der eigentlichen Ladepunkte – den sogenannten Dispensern – entkoppelt. Der kleine Footprint der Dispenser ermöglicht zusätzliche Flexibilität. Betreiber können ihre Ladeinfrastruktur optimal an Platz, Flottenstruktur und Zukunftsanforderungen anpassen – im Depot wie im öffentlichen Raum. Das ermöglicht eine effiziente, skalierbare Elektrifizierung mit optimierten Gesamtbetriebskosten.
Die räumliche Trennung ermöglicht es, die leistungsintensive Infrastruktur zentral und platzsparend zu installieren, während die Ladepunkte flexibel dort positioniert werden, wo sie operativ sinnvoll sind. Dadurch reduzieren sich Tiefbau-, Verkabelungs- und Layoutkosten erheblich, insbesondere in bestehenden Depots mit begrenztem Platz. Gleichzeitig erlaubt die modulare Architektur einen schrittweisen Ausbau. Investitionen können exakt entlang des Flottenwachstums erfolgen und müssen nicht im Vorfeld überdimensioniert werden.
Ein hoher Standardisierungsgrad vereinfacht die Planung und durch die standardisierte, modulare Bauweise und die werksseitige Vormontage wird die Implementierung deutlich vereinfacht. Das reduziert sowohl Installationszeit als auch Komplexität vor Ort und minimiert typische Fehlerquellen bei Inbetriebnahme und Integration. In der Praxis bedeutet das: schnellere Projektumsetzung, höhere Planbarkeit und ein geringeres Risiko für Verzögerungen – ein entscheidender Vorteil bei zeitkritischen Elektrifizierungsprojekten.
Die dynamische Leistungsverteilung erlaubt es, die verfügbare Energie intelligent und in Echtzeit auf mehrere Fahrzeuge zu verteilen. Dadurch wird installierte Leistung optimal genutzt. In Kombination mit Lademanagement-Systemen werden Ladeprozesse so gesteuert, dass Spitzenlasten vermieden und Netzkapazitäten nicht überschritten werden. Dadurch können Energie- und Netzkosten reduziert werden, da teure Lastspitzen vermieden und Ladeprozesse zeitlich optimiert werden.
Ein intelligentes Lademanagement berücksichtigt Fahrpläne, Fahrzeugverfügbarkeiten, Strompreise und Netzkapazität. Fahrzeuge werden nicht sofort mit maximaler Leistung geladen, sondern gezielt über einen definierten Zeitraum verteilt. Dadurch können günstige Strompreise genutzt, Lastspitzen vermieden und das Netz effizient ausgelastet werden. Zusätzlich reagieren die Systeme dynamisch auf Abweichungen, etwa verspätet eintreffende Fahrzeuge, und passen den Ladeplan automatisch an.
Hohe Energieeffizienz und ein hoher Leistungsfaktor reduzieren Umwandlungsverluste und senken dadurch die Betriebskosten. Die genaue finanzielle Auswirkung hängt jedoch stark von standortspezifischen Faktoren wie Energiepreisen, Auslastung und Ladeprofilen ab, weshalb es schwierig ist, eine allgemeingültige quantifizierte Einsparung anzugeben.
Dennoch ist der Effekt in jedem Projekt direkt messbar und trägt durchgehend zur Senkung der Gesamtbetriebskosten (TCO) über die Systemlebensdauer bei.