Die nächste Phase beginnt: Optimierung statt reiner Ausbau

Branchenneuigkeit – 20. April 2026

Die Nutzung der geförderten, öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur in Deutschland zeigt einen klaren Aufwärtstrend. Daten der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur auf einer Datengrundlage von rund 28.000 Ladepunkten im Zeitraum von Juli 2018 bis Juni 2024 weisen eine durchschnittliche Belegung von etwa 2,3 Stunden pro Tag (rund 9,6 Prozent) aus. Diese Kennzahl gewinnt jedoch erst im Kontext an Aussagekraft: Parallel ist der Bestand an batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) deutlich gewachsen, sodass das Verhältnis von Fahrzeugen zu Ladepunkten ein zentraler Treiber der steigenden Auslastung ist.

Aus wirtschaftlicher Perspektive gilt laut verschiedener Quellen eine durchschnittliche Nutzung von etwa 4 bis 8 Stunden pro Tag als Größenordnung, ab der öffentliche Ladepunkte – abhängig von Standort und Ladeleistung – kostendeckend betrieben werden können. Die aktuelle Nutzung liegt damit vielerorts noch unterhalb dieser Schwelle und deutet auf eine weiterhin im Aufbau befindliche Infrastruktur hin. Gleichzeitig rückt mit steigender Auslastung die Nutzererfahrung in den Fokus: Lokal hohe Belegungen können zu Wartezeiten führen und die Attraktivität einzelner Standorte beeinträchtigen. Entscheidend ist daher eine Balance zwischen wachsender Nachfrage und ausreichender Verfügbarkeit.

In den frühen Jahren ab 2018 war die Nutzung noch gering. Die Zahl batterieelektrischer Fahrzeuge befand sich auf niedrigem Niveau, viele Standorte wurden vorausschauend errichtet und dienten zunächst dem Netzaufbau. Entsprechend moderat fiel die durchschnittliche Belegung aus.

Mit dem deutlichen Anstieg der Neuzulassungen ab 2020 und insbesondere in den Jahren 2021 und 2022 erhöhte sich auch die Inanspruchnahme der Ladepunkte spürbar. Der Markthochlauf der Elektromobilität führte zu steigenden Ladevorgängen.

In den Jahren 2023 und 2024 zeigt sich ein differenzierteres Bild. Zwar blieb die absolute Nutzung auf höherem Niveau als in der frühen Aufbauphase, gleichzeitig hatte sich der Infrastrukturausbau stark beschleunigt. Neue Standorte kamen in großer Zahl hinzu und starteten naturgemäß mit geringerer Auslastung. Dadurch relativierten sich der durchschnittliche Anstieg pro Ladepunkt. Der Ausbau lief dem Nachfragewachstum zeitweise voraus.

Unabhängig von der Jahresbetrachtung bleiben die Nutzungsmuster klar erkennbar. In den Nachtstunden ist die Belegung gering, am Vormittag steigt sie an und erreicht rund um die Mittagszeit ihren Höhepunkt. In urbanen Räumen bleiben Ladepunkte teils bis in die Abendstunden stärker ausgelastet, während touristisch geprägte Regionen ausgeprägte Wochenend- und Ferieneffekte zeigen.

Die Daten legen nahe, dass nicht allein der Fahrzeugbestand über die Auslastung entscheidet, sondern auch Standortqualität, Umfeldnutzung und regionale Mobilitätsprofile.

Auch im Zeitverlauf zeigten sich Unterschiede zwischen den Leistungskategorien. Normalladepunkte mit bis zu 22 kW verzeichneten die höchste durchschnittliche Auslastung und profitierten von regelmäßigen Alltagsladungen. Schnellladepunkte gewannen insbesondere entlang von Fernverkehrsachsen an Bedeutung und wiesen eine dynamische Entwicklung auf. Ladepunkte im mittleren Leistungsbereich zwischen 22 und 150 kW blieben dagegen vergleichsweise schwächer ausgelastet.

Diese Differenzierung deutet darauf hin, dass sich die Nutzung zunehmend auf klar definierte Szenarien konzentriert, entweder längere Standzeiten im urbanen Umfeld oder gezielte Schnellladevorgänge auf Langstrecken.

Die Auswertung der geförderten Ladepunkte zeigt eine insgesamt steigende Nutzung seit 2018, eingebettet in einen massiven infrastrukturellen Ausbau. Während die frühen Jahre vom Netzaufbau geprägt waren, steht der Markt heute in einer Phase wachsender Nachfrage bei gleichzeitig hoher Investitionsdynamik.

Für Betreiber und politische Entscheidungsträger bedeutet dies, dass die reine Anzahl installierter Ladepunkte an Aussagekraft verliert. Entscheidend wird die datenbasierte Feinsteuerung, die Berücksichtigung regionaler Besonderheiten und eine realistische Bewertung der Auslastung im Kontext von Markthochlauf und Ausbaugeschwindigkeit.

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