Deutschland baut seine Handelskooperation mit Indien weiter aus – so auch im Bereich Photovoltaik (PV). Denn der indische PV-Markt gehört zu den vielversprechendsten Märkten weltweit mit exponentiellem Wachstum.
Daher gehört der indische PV-Markt zu den Hot Topics der Intersolar Europe 2026 – in Kooperation mit dem Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) wird es ein umfangreiches Informations- und Vortragsangebot geben. Daher wollten wir im Vorfeld von David Wedepohl, Managing Director International Affairs beim BSW-Solar wissen – welche sind die Besonderheiten des indischen Marktes, welche wichtigen Entwicklungen gibt es dort und was können wir auf der Intersolar Europe 2026 zum Thema PV-Markt in Indien erfahren?
Der Bundesverband Solarwirtschaft engagiert sich seit 2007 in Indien, seit 2015 unter anderem in Form einer Verbandspartnerschaft mit dem indischen Solarverband NSEFI. Indien ist nicht nur die bevölkerungsreichste Demokratie der Welt, sondern auch einer der wichtigsten Handelspartner der EU und Deutschlands sowie – unter anderem aufgrund des stark steigenden Energiebedarfs der indischen Volkswirtschaft – ein bedeutender, wenn auch komplexer Zukunftsmarkt für die deutsche Solarwirtschaft.
Indien war im Jahr 2025 weltweit der drittgrößte Solarmarkt, gemessen an den jährlichen Installationen. Die installierte kumulierte Solarleistung beträgt derzeit rund 138 GW (AC). Der Zubau im Jahr 2025 lag bei rekordverdächtigen 37,5 Gigawatt (GW), was einem Anstieg von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Haushaltsplan wird für 2026 mit einem Zubau von 45 bis 50 GW gerechnet. Einige Analysten erwarten, dass Indien 2026 die USA bei der jährlich neu installierten PV-Leistung überholen und damit zum zweitgrößten Solarmarkt der Welt aufsteigen könnte.
Der Markt in Indien hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Neben dem klassischen Utility-Segment haben sich – wie aus anderen entwickelten Märkten bekannt – auch Dachanlagen im gewerblichen und privaten Bereich etabliert. Zudem werden Freiflächenanlagen zunehmend in Co-Location mit Speichern errichtet. Indien ist jedoch nicht nur stark im Ausbau von PV, sondern entwickelt sich zunehmend auch zu einem Hersteller von PV-Komponenten. Im Modulbereich ist das Land bereits gut positioniert, und die Industriepolitik der Regierung Modi zielt darauf ab, weiter „rückwärts“ in der Wertschöpfungskette zu integrieren und ein eigenes Fertigungs-Ökosystem aufzubauen – unter anderem mit Unterstützung deutscher Maschinenbauer, Engineering-Dienstleister und Forschungseinrichtungen.
Der indische Markt ist geprägt von einem wettbewerbsintensiven Mix aus privaten Konglomeraten, staatlichen Unternehmen und einer expandierenden Produktionsbasis. Zu den größten Projektentwicklern zählen Adani Green Energy als größter privater Akteur, NTPC Renewable Energy – eine Tochtergesellschaft des größten staatlichen Energieversorgers Indiens – sowie ReNew und Avaada Energy als führende unabhängige Stromerzeuger. Zu den größten Herstellern von Solarmodulen und -zellen gehören Waaree Energies, Vikram Solar, Reliance New Energy und Tata Power Solar. Der Markt entwickelt sich jedoch sehr dynamisch, und es treten kontinuierlich neue Unternehmen hinzu.
Der indische Solarmarkt wird durch eine Kombination aus direkten Subventionen, Steueranreizen und innovativen Stromabnahmeverträgen gefördert.
Staatliche Subventionen und Förderprogramme:
Finanzierungsmodelle:
Für die Solar- und Speicherbranche ist Indien sowohl ein bedeutender Absatzmarkt als auch ein attraktiver Partner für den Aufbau von Produktionskapazitäten – und damit perspektivisch auch eine Quelle für fertige Komponenten oder Vorprodukte. Eine Intensivierung der Partnerschaft ist für beide Länder wirtschaftlich attraktiv und kann langfristig dazu beitragen, Abhängigkeiten von dominanten Marktteilnehmern zu reduzieren und die Resilienz der deutschen und indischen Wirtschaft zu stärken.
Aufgrund seiner jungen Bevölkerung ist Indien zudem ein interessanter Partner für Fachkräftekooperationen mit der EU, auch wenn die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in Deutschland derzeit etwas gedämpft ist.
Der Bundesverband Solarwirtschaft begrüßt das historische Freihandelsabkommen mit Indien. Es handelt sich um eines der größten Handelsabkommen der EU und bietet erhebliches wirtschaftliches Potenzial – insbesondere im Hinblick auf den Aufbau industrieller Fertigung in Indien mit deutschen Maschinen und Know-how sowie perspektivisch für die Diversifizierung globaler PV-Lieferketten.
Auf der Intersolar Europe 2026 plant der BSW einige Side-Events zum Thema PV-Markt in Indien und mit indischen Stakeholdern. Können Sie uns dazu schon einen Ausblick geben?
Indien wird auf der Messe einen besonderen Fokus erhalten. Der Bundesverband Solarwirtschaft organisiert gemeinsam mit der Intersolar Europe und weiteren Partnern während der Messewoche zahlreiche Veranstaltungen rund um das Thema Indien. Gemeinsam mit dem VDMA beschäftigen wir uns beispielsweise mit dem Aufbau gemeinsamer Lieferketten. Zusammen mit unserem indischen Verbandspartner NSEFI bringen wir hochrangige indische Branchenvertreter mit deutschen CEOs zusammen. Darüber hinaus ist ein Treffen der WISE-Initiative (Women in Solar Energy) aus Indien geplant, ebenso mehrere Delegationen, unter anderem der International Solar Alliance. Das Indo-German Energy Forum lädt zu einem Lunch anlässlich des neuen Freihandelsabkommens zwischen Indien und der EU ein. Natürlich findet auch das internationale Verbändetreffen statt, an dem Indien beteiligt ist. Zudem hören wir, dass unsere Gastgeber von Solar Promotion weitere Formate mit Indien-Bezug planen.