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Experteninterview

"Wir benötigen eine Industrialisierung der H2-Produktion“

Interview mit Jorgo Chatzimarkakis, Geschäftsführer von Hydrogen Europe
 

Herr Chatzimarkakis, Wasserstoff rückt zunehmend in den Mittelpunkt der energiepolitischen Diskussion. Was sind Ihre aktuellen Ziele?
Die Industrialisierung der H2-Produktion und auch des Verbrauchs. Industrialisierung heißt, dass wir in eine Massenproduktion kommen, z.B. bei der Elektrolyse.

Wie wollen Sie die vorantreiben?
Es gibt bereits H2-Märkte. Die größten Konsumenten von Wasserstoff weltweit sind die Raffi nerien und die Düngemittelhersteller. Wenn man statt dem bisher verwendeten konventionellen Wasserstoff einen erneuerbar hergestellten nutzt, dann hat man einen ersten Massenmarkt gesichert. Deswegen bauen wir sehr stark auf die Kooperation mit den genannten Industrien. Hinzu kommt z.B. die Stahlindustrie. Die Finanzierungslücke, die bei der Umstellung von konventionellem auf erneuerbaren Wasserstoff entsteht, muss staatlich gefördert werden. Dadurch kann eine Massenproduktion entstehen, die dann auch in andere Bereiche wie Mobilität fließen kann.

Was ist mit Wasserstoff als Speicher?
Unser Stromnetz ist zu klein, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Stoßzeiten aufnehmen zu können. Wasserstoff bietet sich als Speicher an, um erstens das Stromnetz zu entlasten und zweitens, um die günstigeren Kosten des Gasnetzes ausnutzen zu können und somit das Gesamtsystem effizienter zu gestalten. Die Sektorkopplung ist nötig und wird sich langfristig zu einem Markt entwickeln. Rascher werden sich aber die anderen H2-Märkte entwickeln.

Wie beschreiben Sie die Perspektiven der H2-Wirtschaft?
Wir sehen, dass die Technologiereife gegeben ist. Wir sehen auch, dass die Marktmöglichkeiten vorhanden sind. Was wir benötigen, ist ein starker politischer Druck. Wir merken, dass Kräfte auf europäischer Ebene durch den Green Deal freigesetzt werden, sowohl in der Politik als auch bei Investoren. Seit Anfang des Jahres spüren wir ein sehr starkes Interesse an den Aktienmärkten für Technologietitel im Bereich der Wasserstofftechnik, also Brennstoffzellen und Elektrolyse. Die Marktzahlen werden steigen, sobald wir Politik und Wirtschaft besser aufeinander abstimmen.

 

Hydrogen Europe ist der europäische Wasserstoff und Brennstoffzellenverband. Er vertritt derzeit 100 Industrieunternehmen, mehr als 68 Forschungsorganisationen sowie 13 nationale Verbände. In München agiert er am 18. Juni 2020 in München als Partner der Power-to-X Conference.

Mehr zur Power-to-X Conference am 18. Juni

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