Batterie oder Wasserstoff? Die Antwort für eine klimafreundliche Zukunft

Branchenneuigkeit – 27. Oktober 2025

Johannes Brock, Storage & Hydrogen Promoter bei GP Joule

Wenn es um das Thema Energiewende geht, wird gerade in der Energiebranche oft nicht erkannt, dass Wasserstoff eine zentrale Rolle in erneuerbaren Energiesystemen übernehmen kann. Wasserstoff verbindet Strom, Wärme, Verkehr und Industrie und kann so das Ziel zu einer hundertprozentigen erneuerbaren Energiezukunft unterstützen. GP Joule, ein Systemanbieter für integrierte Energielösungen, setzt in seinen Projekten auf ein integriertes Energiesystem mit Batteriespeichern und Wasserstoff.

Denn integrierte Energiesysteme bedeuten mehr lokale Akzeptanz, mehr Nutzen vor Ort und mehr Erneuerbare – und sie entlasten gleichzeitig das Stromnetz. Das sogenannte Fuhne-Projekt von GP Joule setzt diesen Ansatz um und soll, als erstes seiner Art, als Blaupause für weitere Projekte dienen.

„Der Einsatz erneuerbarer Energien bedeutet mehr als große Solarparks bauen, den erzeugten Strom ins Netz einzuspeisen und darauf zu hoffen, dass die Kapazitäten ausreichen, um die Investition zu refinanzieren. Dieses traditionelle Denken, bei dem man den Strom lediglich produziert, abgibt und dann erwartet, dass das System sich schon anpasst, greift zu kurz. Um die Energiewende wirklich zu meistern, müssen wir viel stärker regional denken, die Strukturen vor Ort in den Blick nehmen und Verbindungen zwischen den Energieerzeugern und den Verbrauchern schaffen, die in den jeweiligen Regionen leben“, sagt Johannes Brock, Storage & Hydrogen Promoter bei GP Joule, in seinem Vortrag auf dem ees Forum während der ees Europe 2025.

Wenn regionale Lösungen geschaffen werden, verringert sich die Notwendigkeit eines massiven Netzausbaus, weil weniger Energie über lange Strecken transportiert werden muss. Gleichzeitig entsteht dadurch mehr Flexibilität im Gesamtsystem, zusätzliche wirtschaftliche Vorteile für die Regionen und eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung für die Errichtung neuer erneuerbarer Anlagen. Denn wenn die Bürger vor Ort sehen, dass sie direkt von den Projekten profitieren, steigt die Bereitschaft, solche Veränderungen mitzutragen.

Nicht nur ist eine bessere Verknüpfung zwischen Energieproduzent und Verbrauchern wichtig, sondern auch eine vermehrte Integration einzelner Energieträger in bestehende Energiesysteme. Denn der aktuelle Status in der Energiewende zeigt: Viele Schlüsseltechnologien wie Elektrolyse, Batteriespeicher, Wärmenetze oder Anwendungen von Wasserstoff sind teilweise noch immer in sehr begrenztem Umfang im Einsatz. Und genau das muss sich ändern. „Wenn wir die Energiewende ernsthaft realisieren wollen, brauchen wir grundsätzlich Speicher. Sie sind das Rückgrat, ohne das eine vollständig erneuerbare Energieversorgung nicht funktioniert. Deshalb dürfen wir uns nicht in Diskussionen darüber verlieren, ob Batterien oder Wasserstoff die besseren Speicher sind. Uns geht es nicht um ein ,entweder Batteriespeicher oder Wasserstoff‘, sondern um ein ,sowohl-als-auch‘. Diese Technologien stehen nicht im Wettbewerb zueinander, sondern können sich in ihren unterschiedlichen zweckmäßigen Anwendungen ergänzen“, betont Johannes Brock.

Batterien sind heute vor allem für die kurzfristige Speicherung im Einsatz, typischerweise mit einer Kapazität von etwa zwei Stunden. Wenn jedoch Strom aus windreichen Wintermonaten in den Sommer mitgenommen werden soll, stoßen Batterien an ihre Grenzen. Dann kommt Wasserstoff ins Spiel. Wasserstoff ermöglicht langzeit- und saisonale Speicherung, indem Strom in ein transportierbares Medium umgewandelt wird. Dadurch lassen sich auch Sektoren versorgen, die sich nicht unmittelbar elektrifizieren lassen, wie die Schwerindustrie, Schifffahrt oder Luftfahrt. Wird auf bestehende Infrastrukturen wie das Erdgasnetz zurückgegriffen, zeigt sich, in welchen Dimensionen Energiespeicherung realisierbar ist.

GP Joule’s Projekte machen deutlich, dass dieser Ansatz funktioniert: In Norddeutschland, nahe der Nordsee, betreibt das Unternehmen mit „eFarm“ eines der ersten vollständig grünen Wasserstoffprojekte weltweit. „Dort nutzen wir die enorme Windkraftkapazität der Region, indem wir den erzeugten Strom in grünen Wasserstoff umwandeln und diesen im Mobilitätssektor einsetzen, beispielsweise für Busse im öffentlichen Nahverkehr und einige Wasserstoff-Lkws“, sagt Johannes Brock. Der erzeugte Wasserstoff deckt heute bereits einen erheblichen Grundbedarf ab, etwa eine halbe Tonne pro Tag. Gleichzeitig wird das System mit zusätzlichen Elektrolyseuren und dem Einsatz eines Batteriespeichers von rund 50 Megawatt erweitert, um Windstrom flexibel ins Netz einzuspeisen. So entsteht seit fast fünf Jahren ein ganzheitliches Zusammenspiel von erneuerbarer Erzeugung, Speicherung und Nutzung.

Bei dem Fuhne-Projekt, das nach dem Fluss Fuhne benannt wurde, wird von Anfang an auf Solar- und Windkraft, Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von etwa 100 Megawatt sowie auf Wasserstoffproduktion zurückgegriffen. Der Standort in ländlicher Umgebung bietet Platz für erneuerbare Anlagen und liegt nahe an Ortschaften, Industrie, Verkehrswegen, dem Gasnetz und dem künftigen Wasserstoffnetz. Ziel ist es, rund 500 Megawatt erneuerbare Energie zu erzeugen.

Ein Teil der erzeugten Energie soll in Wärme umgewandelt und über ein Nahwärmenetz zehntausende Einwohner sowie Kommunen und kleinere Industriebetriebe versorgen. Ein weiterer Teil der erzeugten Energie wird in Wasserstoff umgewandelt und über Pipelines für die industrielle Nutzung transportiert. „Hier zeigt sich die entscheidende Rolle der Infrastruktur: Ohne Pipelines ist ein solches Projekt kaum zu denken. Deshalb stimmen wir uns eng mit den Planungen des künftigen Wasserstoffnetzes ab, das den produzierten Wasserstoff zu Großabnehmern in Ostdeutschland bringen wird“, ergänzt Johannes Brock. Das Fuhne-Projekt ist das erste, in dem GP Joule Batterie- und Wasserstoffspeicher gemeinsam entwickelt.

Beide Projekte verdeutlichen, dass Batterien und Wasserstoff keine Konkurrenten sind, sondern im Zusammenspiel die Vision einer hundertprozentigen erneuerbaren Energiewelt Wirklichkeit werden lassen.

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